ROSSUMS UNIVERSAL ROBOTS

R.U.R.

Isaac Asimov nannte es das „schlechteste wichtige Stück seiner Zeit“. Der Bruder des Autors schuf für das Stück den Neologismus „Roboter“. Es gilt als Blaupause für etliche Science-Fiction des 20. Jahrhunderts und reflektiert auch heute noch aktuelle Themen wie ökonomische und ökologische Katastrophen sowie menschliche Hybris:
101 Jahre nach der Uraufführung von Karel Čapeks ROSSUM‘S UNIVERSAL ROBOTS im Jahr 1921, bringen wir eine aktualisierte Fassung als Musiktheater auf die Bühne.

Foto: Christoph Voy

GAMUT INC / Marion Wörle, Maciej Śledziecki:
Kompositionen für den RIAS Kammerchor, Gesangsarrangements für Sopran und Countertenor, Elektronik, Konzept, Inszenierung und Licht
FRANK WITZEL: Libretto nach Motiven von Karel Čapek

RIAS KAMMERCHOR / als Videoprojektion: Chor der Menschen/Chor der Roboter
RALF SOCHACZEWSKY:
Dirigent RIAS Kammerchor
GINA MAY WALTER: Sopran
GEORG A. BOCHOW: Countertenor
RUBEN RENIERS:
Tanz, Choreografie
PATRIC SCHOTT:
Schauspiel

NINA RHODE: Automatisierte Scheiben, Bühne
CLARA FRANKE, CARLA SZERBINSKI: Kostüm
MARTIN RINK: Maske
OLIVIA OYAMA: Klangregie Berlin
ROBERT NACKEN: Klangregie Köln

MARION WÖRLE: Grafikdesign, Artwork
SARAH ROSENAU: Pressearbeit Berlin
NICOLA OBERLINGER: Pressearbeit Köln
ANNE LUFT, ANJA SIMON, ROBERT STAFFL, EIKE SCHWEIGHARDT: Filmaufnahmen & Dokumentation
CHRISTOPH VOY: Fotodokumentation
BARBARA KÖNIG: Fotos RIAS Kammerchor

FLORIAN SCHMIDT: Audio-Produktion RIAS Kammerchor
BERNHARD HESS: Chordirektor
CHRISTIANE WÜNSCH: Produktionsleiterin RIAS Kammerchor
PHILIP GANN (2021), DORTE BECKER (2022): Produktionsleitung

Spieltermine:
6. & 7. Jan 2023 @ Barnes Crossing Köln
20., 21. & 22. Jan 2022 @ Theater im Delphi
Berlin / SOLD OUT !
5. & 6. Feb 2022 @ Comedia Köln / SOLD OUT !

Gina May Walter as Helena in R.U.R. – Foto: Christoph Voy

In Karel Čapeks Version werden die Roboter in dem Stück von einer Handvoll Wissenschaftler auf einer Insel entwickelt und in rauen Mengen auf der ganzen Welt verkauft. Sie sind organische menschenähnliche Wesen, also keine mechanischen Apparate. Über die Zeit entwickelt sich ihr „DNA“ Code, sodass sie auf die Kontrolle der Menschen keine Lust mehr haben. Es kommt zum Roboteraufstand. In einem fulminanten Übergriff übernehmen sie die Kontrolle auf der Insel, und hernach über den gesamten Planeten. Infolge wird die gesamte Menschheit kurzerhand ausgerottet. Den Robotern fehlt nun allerdings die wesentliche Formel zu ihrer eigenen Erzeugung, denn diese wurde von Helena, der Frau des Unternehmensleiters von R.U.R. verbrannt. Zum Glück allerdings blieb auf der Insel ein einziger Mensch am Leben, der die Formel nun reproduzieren soll. Dabei handelt es sich um Alquist, der aber leider kein Naturwissenschaft. Frank Witzel entwickelt ein Libretto nach Motiven von Karel Čapeks Urversion.

REVIEWS

Das Ensemble gamut inc um die Computermusikerin Marion Wörle und den Komponisten Maciej Śledziecki hat das Stück wiederentdeckt und als grandiose retro-futuristische Oper auf die Bühne gebracht.
WDR Westart

“Dass die beiden künstlichen Wesen über die Fähigkeit des Gesangs verfügen, während der Mensch sich lediglich der gesprochenen Sprache bedienen kann, ist eine Voraussetzung dafür, dass die verbalen Diskurse sich auf sehr unterschiedlichen Reflektionsebenen entfalten: Während Schott seinen Text meist sehr nüchtern deklamiert, werden die emotionalen Aspekte des Geschehens in den Singstimmen abgebildet. Als besonders glücklich erweist sich dabei die Entscheidung, mit Sopran und Countertenor zwei Stimmlagen zu verwenden, die sich denkbar wenig voneinander absetzen: Nicht nur die Ähnlichkeit der Stimmen trägt viel zur besonderen Gewichtung einer einheitlichen Roboter-Identität bei; unterstrichen wird dies darüber hinaus noch durch die ungemein geschmeidige Art, wie Walter und Bochow jeweils mit ihren Parts umgehen und sie dabei zu zwei Facetten einer übergreifenden Sache machen. Musikalisch vertieft wird das Bühnengeschehen durch zwei kontrastierende musikalische Elemente: So entfalten sich die Stimmen einmal vor dem Hintergrund sich wandelnder elektronischer Klänge, die, von Gamut Incs Musikmaschinenrepertoire produziert, bereits beim Betreten des Zuschauerraums präsent sind. Alternierend hierzu werden immer wieder Zuspielungen des RIAS-Kammerchors eingesetzt, um alternative Wahrnehmungsräume zu gestalten. Dass die choralen Klangfelder auf denselben Kompositionsverfahren basieren, die auch die Erscheinungsweise der elektronischen Teile prägen – meist Übereinanderschichtungen, Repetitionen oder isorhythmisch miteinander verschränkte Phrasen –, lässt beide Klanghintergründe aufeinander bezogen erscheinen, auch wenn die Stimmzuspielungen ganz anders wirken. Dies hängt damit zusammen, dass die im Sinne von Kommentaren oder Mahnungen fungierenden Choreinschübe als Entfaltung der beiden Roboter-Stimmen in den lebendigen, vokalen Klanginnenraum erfahrbar sind oder umgekehrt die beiden Soloparts sich wie eine Fokussierung des Sprachkollektiv in einen individuellen Stimmklang hinein ausnehmen. Unterstützt wird dies alles durch die schlüssige Bühnenrealisierung von Marion Wörle und Maciej Śledziecki: Ihr liegt die Arbeit mit stroboskopierenden Scheiben zugrunde, die von der Künstlerin Nina Rhode entworfen und für dieses Projekt zu einer Art mobilen Maschine geformt wurden. Zu Beginn noch hintereinander in der Bühnenmitte aufgestellt, werden sie im Verlauf der Aufführung verschoben und sorgen dadurch für unterschiedlichste Beleuchtungsverhältnisse, unter denen eine stahlblaue Farbgebung dominiert. Darüber hinaus werden jedoch immer wieder auch die Farben zugunsten kalten weißen Lichtes ausgesetzt, wodurch – ganz wesentlich bestimmt durch Projektionen wechselnder Ansichten der Chormitglieder auf die Bühnenrückwand – die Atmosphäre expressionistischen Stummfilmkinos heraufbeschworen wird. Insgesamt ist hier, trotz der für meinen Geschmack zu hohen Lautstärke, ein denkwürdiger Abend gelungen.”
nmz

Auf der Rückwand werden sepiafarbene Bilder des RIAS Kammerchor projiziert. Der Gesang des Chores tritt dissonant in eine Symbiose mit solistischen Sopran- respektive Countertenordarbietungen der Robotermenschen Helena und Primus. Ein etwa einstündiger kurzweiliger Theaterabend, der den ewigen menschlichen Traum vom künstlichen Wesen in machtvoll oszillierende Neue Musik überführt. Die Dystopie über unsere Hybris und Roboter hallt so noch lange nach.” KULTURA extra

“Marion Wörle und Maciej Śledziecki zeigen an diesem Abend, dass sich Oper sehr wohl und zeitgemäß weiterentwickeln kann. Das Publikum im engbesetzten Saal der Comedia in Köln feiert zu Recht nicht nur die Darsteller, sondern auch ein Team, das mit vergleichsweise geringen Mitteln die Oper der Zukunft feiert.” O-Ton

Die Oper R.U.R. – Rossum´s Universal Robots stellt verständlicherweise mehr Fragen, als sie selbst beantworten kann. In der Intensität des musikalischen Erlebens und der Eindringlichkeit der Bilderwelt entsteht ein emotionsgeladenes Ganzes, dass den Zuschauer in hohem Maße fordert. Ein lohnender Abend, der jeden Betrachter, der einen Zugang zu diesem intensiven Bühnengeschehen findet, in hohem Maße bereichert. Das erschöpft erscheinende Publikum der ausverkauften Kölner Premiere spendete am Ende der 60minütigen Aufführung reichlich Beifall. Eine Zuschauerin fasste die Eindrücke des Abends bei Verlassen des Saales einschränkend für sich zusammen: „Also, für Jeden war das hier heute Abend auch nicht das Richtige…“ Aber für Manche war es das schon!” Opernfreund

“Die Computermusik kommt von der Festplatte und ist insofern für Neuinterpretationen in der Zukunft nur begrenzt zugänglich. Aber der geniale Einfall zur Projektion wird dafür sorgen, dass die erste Opernproduktion von Gamut Inc mehr als zwei Mal eingeladen werden wird. Denn die beiden Musiker haben gemeinsam mit dem RIAS-Kammerchor unter der musikalischen Leitung von Ralf Sochaczewsky Chorstücke aufgenommen, die den Abend maßgeblich mitgestalten. Da beeindrucken die Filmaufnahmen von Anne Luft, Anja Simon und Robert Staffl ebenso wie die ausgewogene Akustik, für die Olivia Oyama und Robert Nacken in Zusammenarbeit mit Florian Schmidt beim Kammerchor sorgen.” O-Ton

“Wir beginnen mitten im tiefsten philosophischen Diskurs über die Ethik des Erschaffens. (…) Und dann gibt es da noch eine Schicht, immer wieder zugeschaltet sind Aufnahmen des RIAS Kammerchors, der in Sepiafarben wie aus der Vergangenheit spricht, Themen zusammenfasst, weiterspinnt, singt die Formel, die Seele, der Tod, der Kreislauf der sich nicht schliesst. Allen Argumentationen zu folgen ist eigentlich unmöglich, so bleiben eher Ausrisse des Abends hängen, starke einzelne Sätze wie “Wir müssen den Robotern die menschliche Seele wieder extrahieren sonst hört das Gemetzel nie auf”. Und es gibt auch noch die akustische Ebene, die tollen Gesangsarrangements, das Wechselspiel von kühlem, abgehackten Roboter Countertenor und warmen Chorklang, das hilft sich festzuklammern, wenn man aus dem Diskurs herausfällt, und es lohnt sich dabeizubleiben denn so ein Angebot eines künstlerischen Erlebnis- und Gedankenraums über den eigenen Willen zur schöpferischen Macht und die darauffolgende Ohnmacht gegenüber den Maschinen, das ist und wird auch in Zukunft wichtig bleiben!”
rbb Kultur

Wunderbar dissonant

Bei gamut inc geht es um einen einzelnen Menschen, der sich fragt, woher das Leben kommt und wohin es geht. Das Stück beginnt gleich damit, dass Alquist – eher in Nietzsches Sinn – der letzte Mensch ist, umgeben nur von zwei Robotern, einem Sopran und einem Countertenor, der seine Fähigkeit, sich zu bewegen, stetig weiterentwickelt. Auf die Rückwand der Theaterbühne ist so etwas wie ein Kirchenchor projiziert. Wie auch die Solist:innen singt er wunderbar dissonant a cappella. Alquist allerdings spricht nur. Während des Balletts der beiden Roboter, die mit „7 automatisierten Scheiben“ hantieren, sitzt er meistens hinter einem Schreibtisch und räsoniert. Etwa, die Sprache sei „für euch ein Werkzeug, für uns die Hülle um das Sein. Denn wir haben Angst, zu sein.“
der Freitag

Foto: Barbara König