gamut inc‘s INTERZONE @ PAF Festival Berlin / Juni 2019
Von der Maschine zum Maschinenmensch zu Maschinenwelten
Dauer: 1h

Komposition & Inszenierung: gamut inc
computergesteuerte Musikmaschinen, Leuchtstoffröhren & volumetrisches Licht
Theater im Delphi, Gustav-Adolf-Straße 2, 13086 Berlin

Im inszenierten Konzert INTERZONE verbinden gamut inc ihre computergesteuerten Musikroboter, automatisierte Leuchtstoffröhren und volumetrisches Licht zu einer Gesamtkomposition, in der die Faszination Maschine in den Vordergrund tritt. gamut inc‘s mikrotonale Strukturen, tiefe Drones und feine texturale Formen korrelieren in unterschiedlichen Synchronizitäten mit der Lichtperformance. Das gesamte musikalische Material stammt einzig von live gesteuerten Maschinen – es werden keine zusätzlichen Klänge verwendet. Durch die Live-Bearbeitung des analogen Klangmaterials entstehen Texturen die elektronisch anmuten. Computergesteuerte Musikmaschinen schliessen die Lücke zwischen elektronischer und akustischer Musik und können als eine Analogie für den Übergang vom Mensch zum Cyborg gelesen werden.

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Die Idee, mechanisches Leben zu erschaffen, geht der Erfindung des Computers um viele Jahrhunderte voraus. Im späten 16. Jhd schuf der Prager Rabbiner Judah Löw den Golem, eine unförmige Lehmfigur – analog zum aus Lehm geschaffenen Menschen. In der griechischen Mythologie fertigt der göttliche Schmied Hephaistos Automaten aus Bronze, wie den Riesen Talos, der die Europa auf Kreta beschützen sollte. Mary Shelleys Roman Frankenstein von 1818 ist wohl die einflussreichste literarische Ausformung menschlicher Hybris, während Karl Capek für sein 1921 erschienenes Theaterstück R.U.R. das Kunstwort „Roboter“ ersann – eine zeitgenössischere Version der menschenähnlichen Maschinen. Jüdische Magie, griechische Götter und englische Alchemie wurden schliesslich in den 1940er Jahren durch die negative Rückkopplung des Zeitalters der Kybernetik abgelöst. Magie wurde durch Wissenschaft ersetzt. Eigener Wille und die Fähigkeit zur Selbstreproduktion wurden die neuen Ziele. 1960 begann man verstärkt den Menschen selbst in mechanischen Begriffen zu denken. Nicht mehr die Maschine soll nach menschlichem Ebenbild erschaffen werden, sondern der Mensch nach dem Bild der Maschine. Der gebrechliche Körper kann durch Mechanik verbessert werden und wird so zum Cyborg. Selbst ohne essentielle Durchbrüche in Künstlicher Intelligenz, programmiert und manipuliert die größte menschgemachte Maschine – das Internet – wiederum unsere Realität in bislang ungekannten Maßstäben.

gamut inc‘s INTERZONE @ BAM Festival Berlin / Sep 2018
in co-operation with Zinc & Copper
Dauer: 8h

Komposition, Konzept, Video: gamut inc
Raum und Licht: gamut inc + Nina Rhode
Musik: gamut inc und Zinc & Copper
Marion Wörle (Elektronik)
Maciej Sledziecki (E-Gitarre)
Hilary Jeffery (Posaune)
Elena Kakaliagou (Horn)
Robin Hayward (Tuba)

Ein verfluchter Kapitän kreist um das Kap der Guten Hoffnung mit seinem Geisterschiff. Erlösung vermag einzig die wahre Liebe. Alle sieben Jahre nur darf der Kapitän an Land um diese Liebe zu finden. Während des BAM! Festivals wird der Ort zum Geisterschiff des fliegenden Holländers. Wir hören seine Träume, Halluzinationen und die hohe See, in all ihren Wetterlagen. Das installative Musiktheater INTERZONE nimmt diesen Opernstoff als lose Vorlage auf eine mehrstündige Reise. INTERZONE ist ein Durchgangs- und gleichzeitig Ruhebereich für die Festivalgäste. Das retro-futuristische Duo gamut inc widmet sich hier einer Re-Inszenierung romantischer Musiktheaterkonzepte mit Hilfe elektroakustischer Klänge, Video- und Lichttechnik. Mit dabei ist das Ensemble Zinc & Copper, das sich einer Erkundung neuer musikalischer Wege für Blechbläser verschrieben hat. Improvisierend verarbeiten die fünf Musiker entschleunigte Motive aus dem Fliegenden Holländer, entwickeln aus ihnen feingesponnene mikrotonale Texturen und tiefe Drones. Als Flaschenpost driften Motive anderer Wagneropern vorbei. Im vernebelten Raum entstehen fließende szenographische Skulpturen. Sie erinnern an Meereslandschaften und Naturphänomene – Topoi einer romantischen Ästhetik des Erhabenen. Fürs Publikum stehen Liegen bereit. Johohe! Hallajo! Willkommen an Bord.

Eine Produktion von BAM! – Berliner Festival für aktuelles Musiktheater
www.bam-berlin.org