„Endlich wird man meine Musik spielen“ – das sollen die letzten Worte von Hector Berlioz gewesen sein, laut einer Sammlung letzter Worte vieler Berühmter und Unbekannter. Denn das Ende ist faszinierend und es lauert überall: seien es aussterbende Arten, nicht mehr entzifferbare Sprachen oder sicher geglaubte Gewissheiten.

THIS IS NOT A SWAN SONG nähert sich, ausgehend von der Metapher des Schwanengesangs, assoziativ und vielschichtig dem Ende. Ein Chor singt in halluzinatorischen Visionen letzten Worte Verstorbener. Anna Pavlova tanzt zum letzten Mal den sterbenden Schwan. Ein Lied in der ausgestorbenen Sprache der Tasmanier erklingt. Ein automatisches Akkordeon spielt wie von Geisterhand.
Die elektro-akustische Musik verbindet elektronische Klänge mit E-Gitarre, eigenwilligem Schlagwerk, unorthodox klingenden Saiteninstrumenten und einem achtstimmigen Chor, der singt, zischt, und die letzten Worte bis zum Ende des Atems faucht. Tiefe elektronische Drones verleihen dem Stück eine jenseitige Atmosphäre. Der Perkussionist und Lichtkünstler Michael Vorfeld spielt dabei auf selbst entworfenen vielsaitigen Monochorden und Perkussionsinstrumenten. Ausschnitte seiner Kollektion aussterbender Glühlampen und Kodak Carousel Diaprojektoren sind nicht nur Teil des Bühnenbilds, ihre Stromkreise und Betriebsgeräusche werden als feines Elektronenflickern hörbar in die Musik eingewoben.

All things come to an end! Capitalism has reached its final phase, democratic systems are being challenged by populism, the open Internet is being repurposed as an algorithmic surveillance machine, and enlightened society seems to have been replaced by post-factuality. But life in the post-epochal epoch is in no way at a standstill, as the “End of History“ theory suggests.

On the contrary, the world seems to be in the grips of a great dynamism. This dynamism is both shocking and fascinating, as no one really knows where it will lead. More than half of all the IT millionaires in Silicon Valley are now engaged in preparations for the time after the end of civilisation. The list of possible triggers for the apocalypse is long. Transformations and their denial form the focus of THIS IS NOT A SWAN SONG, a piece by Maciej Sledziecki and Marion Wörle, written for eight-part choir, actors, monochord, light bulbs, tape machine, table-top guitar, computer, music machines, sound objects and projections.
THIS IS NOT A SWAN SONG is a consideration of that which is lost, is being lost, and that which should no longer be. The theme of change is reflected upon using the metaphor of the “swan song” as a starting point. It is addressed in an experimental setup that permits various perspectives and stylistic devices.
The piece takes place in a fictive bunker, which is inhabited by a bird-like creature. Seven scenes flow into a recurring ritual. The musical style varies depending on the theme of the scene. Light sources become musical instruments, light impulses become rhythm machines. The routine of the bunker is disturbed and its processes interact with the choir members. The title THIS IS NOT A SWAN SONG paraphrases both the song “This Is Not A Love Song“ by post-punk band PiL and Magritte’s “La trahison des images” (ceci n‘est pas une pipe). In the interplay of these conceptual fields, THIS IS NOT A SWAN SONG forms a heterotopia – an “other“ place, which is undefined temporally and functions according to its own rules.

PRESS
“[…] Geigenbögen treffen in klirrender Kühle auf Becken und Saiten, Noise-Schwaden brechen sich an einem liturgisch anmutenden Chorpart, Perkussion-Strecken lassen in ihrer industriellen Mechanik an die Musik der Einstürzenden Neubauten denken, bis schließlich ein Glühbirnen-Lagerfeuer die Musik zu einem Ausdruck erwärmt, der an Johnny Cashs Spätwerk erinnert.
In solch tollen Momenten dieses Abends verbinden sich Klang, Bühnenbild und Performance zu abstrakten, brüchigen und schimmernd jenseitigen Bildern.
[…] Am Ende aber schwingt sich die Geigenbogen-Gitarre noch einmal zu neuer Grandezza auf und mit der Projektion einer sich immer weiter verdoppelnden und verpixelnden alten Aufnahme von Anna Pawlowa als “Sterbender Schwan” findet man ein sinnliches Ende.”

Süddeutsche Zeitung

“[…] Optisch ist der kurzweilige Abend in drei sauber voneinander abgetrennte Ebenen gegliedert. Links (im Dunkeln) stehen die ChoristInnen […] das Mehrstimmige klingt hochkomplex. z.T. hochkompliziert – wie sehr, bemerkt man auch daran, wieoft jede/r dann zwischendurch zur Stimmgabel zu greifen sich genötigt sieht. Rechterseits ist die Gesamt-Apparatur des für den Klang-Backround Erforderlichen aufgestellt – diese wird dann von Marion Wörle (Elektronik), Maciej Sledziecki (Gitarre) und Michael Vorfeld (Perkussion, Saiten, Glühlampen) beeindruckend bedient. […] Ja und der seine beiden schönen Hände aus dem schwarzen Dress hervorzaubernde und mit seinen weißen Glasaugenattrappen hoch beeindruckende Jordan Rountree […].
Das Alles hat was Sphärisch-Transzendentes und erlebt sich stellennweise wie inmitten einer alptraumhaften Unauswegbarkeit. Man konzentriert sich zwar nicht mehr und weiter auf die vielzitierten “letzten Worte” irgendwelcher Leute – dafür wird der innervisuelle Fokus mehr denn auf die unausweichlich vor uns hinlauernden Individualtode gelenkt, was wiederum dann “tröstlich” stimmt, obgleich auf unverkennbar schräge Weise.”

kultura-extra, der Freitag online

CAST
composition/concept/production/stage: GAMUT INC
libretto: LESLIE DUNTON-DOWNER
performance: JORDAN ROUNTREE
electronic: MARION WÖRLE
guitar: MACIEJ SLEDZIECKI
percussion, strings, light-bulbs: MICHAEL VORFELD
lighting design: GAMUT INC and MICHAEL VORFELD
chorus leader Cologne: RODRIGO LOPEZ KLINGENFUSS
chorus leader Munich: ARMANDO MERINO
chorus leader  Berlin: ANTOINE DAURAT
sound design: ROBERT NACKEN

CHORUS COLOGNE
sopranos: Anna Rabe, Anna Graf
alto: Eva Marti, Verena Tönjes
tenor: Leo Wepner, Lorenz Rommelspacher
bass: Johannes Wedeking, Irfan Berilo

CHORUS MUNICH
sopranos: Yu Soomin, Irina Firouzi
alto: Cornelia Lanz, Franziska Wetzler
tenor: Manuel Ried, Omar Garrido
bass: Tibor Brouwer, Tom Amir

CHORUS BERLIN
sopranos: Gina Walter, Dominika Kocis
alto: Dora Osterloh, Sophie Catherine
tenor: Marcelo de Souza Felix, Lorenz Rommelspacher
bass: Thorbjörn Björnsson, Johannes Wedeking

STAGING
nov 2017 Stadtgarten, Cologne
nov 2017 Schwere Reiter, Munich
jan 2018 Ballhaus Ost, Berlin

FUNDED BY
Kulturamt Köln, Ministerium des Landes NRW, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, Bezirksamt Pankow von Berlin, NPN, Kulturreferat der Landeshauptstadt München.