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gamut inc‘s Over the Edge Club

GAMUT INC: Konzept, Komposition und Inszenierung
RUBEN RENIERS: Tanz, Choreografie
ELISA ZUCCHETTI: Choreografie, Outside Eye
ANKE BRUNS: Kostüm, Maske

Do 3. Dez 2020 20:00 Uhr Theater im Delphi Berlin

Fr 4. Dez 2020 20:00 Uhr Theater im Delphi Berlin

Sa 5. Dez 2020 20:00 Uhr Theater im Delphi Berlin

Mi 9. Dez 2020 20:00 Uhr Artheater Köln

Do 10. Dez 2020 20:00 Uhr Artheater Köln

In der Zukunft träumt eine Superintelligenz von ihren Vorgängern – den ausgemusterten high-tech Maschinen und Künstlichen Intelligenzen; vom ehemals besten Schachweltmeister, von Roboterhunden und digitalen Psychotherapeuten. Sie sind hier im „Over the Edge Club“ versammelt und spiegeln die Sehnsüchte und Wünsche der vergangenen Generationen und Spezies wider.

Was passiert eigentlich mit all den „künstlichen Intelligenzen“ wenn der Fortschritt sie überholt? Die schematischen Antworten des Chatbots „Eliza“, bahnbrechend in den 60er Jahren, lassen einen heutzutage lediglich amüsiert lächeln. Wie schnell wurde „Alpha Go“, die erste Software, die sich auf Meisterniveau in dem Spiel Go mit Menschen messen konnte, von ihrem Nachfolger „Alpha Zero“ vernichtend und endgültig geschlagen? Alpha Zero hatte das Spiel ohne menschliche Hilfe, rein durch spielen gegen sich selbst erlernt, und verfolgt mittlerweile Strategien, die in der jahrhundertelangen Geschichte des Spiels nicht von Menschen erlangt wurden. Die nächsten Generationen von KIs werden wohl nicht mehr von Menschen, sondern von anderen KIs gebaut. Immer mehr werden wir zum faszinierten und zweifelnden Betrachter dabei wie die Maschine uns überholt, ohne dass wir noch ihre Kausalketten nachvollziehen können. So wird es auch zwangläufig selbst den besten KIs der Gegenwart gehen: sie landen auf dem Schrottplatz – oder bestenfalls im Museum – der Geschichte. In dem einstündigen Musiktheater gamut inc‘s Over the Edge Club schauen wir aus einer fernen Zukunft durch die Augen einer Superintelligenz – sie träumt einen Deep Dream von ihren Vorgängern, die irgendwo in ihrem Gencode, ihrem Reptiliengehirn, gespeichert sind. Die überholten KIs erscheinen in Form eines menschlichen Performer-Avatars. So vermenschlicht spiegelt er die Phantasien der jeweiligen Jahrzehnte wider. Denn was sind diese Programme anderes als die Wünsche und Sehnsüchte der jeweiligen Ge- nerationen? Ein Traum von der geistigen Entgrenzung, dem Überschreiten des eigenen Daseins. Gleichzeitig sind sie aber auch Projektionen dessen, was wir sind – und dessen, was die Grenzen unseres Vorstellungsvermögens ausmacht. Da ist zum Beispiel Eugene Goostman – ein 13-jähriger ukrainischer Junge, der eigentlich eine Software ist, die zum ersten Mal einen Turing Test bestanden hat. In dem Test sollen Menschen beurteilen, ob ein (für sie nicht sichtbarer) Gesprächspartner Mensch oder Computer ist. Mit dieser dissoziativen Identitätsstörung – ob Mensch oder Software? – irrt der Junge unsicher durch den Traum. Da ist der nur kurzzeitige Weltmeister im Go Spiel „Alpha Go“ mit seiner verletzten Eitelkeit. Oder „Illiac I“ – ein Computer der 1956 zum ersten Mal Musik schrieb, die von Menschen – einem eigenartig befremdlichen Streichquartett – gespielt wurde.

Der Titel bezieht sich auf die think-tanks von Wissenschaftlern, und vor allem auf den berühmten Club „the Edge“, in dem hochkarätige Intellektuelle die Zunkunftsoptionen der Menschheit erörtern.
gamut inc‘s Over the Edge Club schafft einen verzerrten und auch ironisch durchsetzen Resonanzraum für die Träume und Visionen der Gegenwart, aus dem Blickwinkel einer imaginären Zukunft.

„We created a universe, that universe of numbers with a life of their own. A universe of selfreprodcing digital code, it‘s growing by five trillion bits per second, we are still here at the big bang of that thing, and I don‘t think we are studying it enough, what‘s it gonna be in tenthousand years, what‘s it gonna be in one hundred years?“
George Dyson 2016

links: Ross Ashbys Homöosthat 1948
Der Homöostat zählte zu den frühesten Werkzeugen im Feld der Künstlichen Intelligenz. Der aus vier Modulen bestehende Apparat konnte sich von selbst an veränderte Umwelten anpassen.

rechts: ENIAC 1945
Der erste Universalrechner ENIAC war ein geheimes militärisches Projekt. Die Programmierung des ENIAC erfolgte durch Drehschalter und tausende von Hand geknüpfter Kabelverbindungen. Eine Umprogrammierung dauerte Stunden oder Tage. Es wurden dafür etliche Kabel und Werkzeuge benötigt.

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